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15.01.2014

Vatter baut ab

Am 15. Januar 2014 fand in den Räumen der VHS Langenhagen eine Autorenlesung mit dem Schriftsteller Bernd Eichmann statt. Er las aus seinem neusten Buch mit dem Titel "Vatter baut ab". Hierzu der Bericht einer völlig subjektiven Hörerwahrnehmung.


 


Das baut auf

Der mit westfälischen Sprachkolorit kokettierende Buchtitel „Vatter baut ab", von Bernd Eichmann, baut den Leser, respektive den Zuhörer, entgegen der Deckblattaussage eher auf. Aber hier geht es ja um den Hauptdarsteller einer anrührenden Geschichte. Auszüge aus einem somit er- und aufbauend zu nennenden Text, wurden vom Autor am 15. Januar d. J. in der VHS Langenhagen geboten.

Frau Braun, die Leiterin der gastgebenden Einrichtung, befand bei ihren einleitenden Worten, dass das Schlusswort des Buches auf der letzten Seite (wo sonst), das da lautet „Danke, Vatter", als die bemerkenswerteste Aussage des 192-seitigen Werkes zu betrachten sei. Sie sagte das mit anderen, mit viel schöneren Worten. Wenn sie derart einseitig die Quintessenz zieht, dann mag es so hingehen. Jedoch alle sind sie gut. es sind Schokoladenseiten in die Geschmacksrichtung Zartbitter gehend.

Herr Eichmann bedient sich mitunter einer lakonischen Sprache. So gibt er zum Beispiel dem herbeigerufenen Rettungssanitäter in Notstandskürzeln wie Erbrechen, Schwindelgefühl, Schmerz, Übelkeit die vermaledeite Drangsal seines Pfleglings bekannt. Er versteht dabei in einer ironisch eingefärbten aber sehr liebevollen Sprache von dem degenerativen Krankheitsgeschehen seines Vatters berichtend zu unterhalten. Mitunter könnte der Zuhörer im gleichen Ton antworten, dass ihm selten so eine unterhaltsame Krankheitsgeschichte untergekommen wäre. Das soll keinem schwierigen Humor die dmmlichen Lacher zutreiben. Nein, da tat sich keinerlei Diskrepanz durch joviale Sprachgebärde auf. Vielmehr ist der liebevolle Ernst mit dem der Sohn Bernd Eichmann seinem Vatter pflegenden Beistand leistete, wie ein knallroter Faden eingewoben.

In dieser vom „Stirb, Wiesenschaumkraut" im Frühstadium handelnde Phase mit ihren kindlich-militanten Anschlägen des intelektuell hinfälligen Vaters, bis hinüber zum Daseinsabstieg im beschreibenden Kapitel von „Der dunklen Kellertreppe", ist ein herzenswarmer Lesestoff versammelt. Und bei den Beschreibungen, die den dramatischen Persönlichkeitsverfall des geliebten Vatters mit sich bringt, schwingt keinerlei selbstleidige Silbe mit.

Überhaupt ist die Bilanz dieser gut zwei Jahre währenden Pflegeschufterei diejenige, dass allein die Liebe die Grundlage allen Tuns und aller Kraftspenderei sein kann. An dieser hingebungsvollen Aufgabe erwächst aus dem heute 60 jährigen Autor der volljährige Mann. Das Kind in ihm hat er nach eigenem Bekunden zuvor nie richtig abgelegt. Erst mit Vatters Tod wurde er zum Vollwaisen, zum über sich heraus erwachsen Mann.

Natürlich ist zu beachten, dass seitens des Verfassers keine perfekte Herangehensweise für Pflegeherausforderungen in ebenfalls betroffenen Familien abgeliefert wurde. Ergo keine eins zu eins zu bernehmende Verhaltensschablone vorgeführt. Dieser Anspruch wurde keineswegs deklariert. Die biografischen Schattierungen der Menschen sind viel zu individuell angelegt. Das hindert nicht, dass bei der Gelegenheit eine Liebeserklärung Vater - Sohn auszugsweise vorgelesen wurde. Ganz nebenbei wurde das geflügelte Wort von der blind machenden Liebe als falsch gedeutet entlarvt, indem der vorliegende Text das genaue Gegenteil bewies. Nein, die Liebe macht sehend, sie eröffnet total neue Welten. Sie erkennt. Sie macht leidenschaftlich. Man sollte pfleglich mit ihr umgehen (können) – siehe Kronzeuge Bernd Eichmann.

Dass auf der anderen Seite eine vertrackte Kommerzialisierung, sozusagen eine Wertschöpfung, d. h. aus den Lebensabenden unserer lieben Nebenmenschen eine, ich nenne es einmal so, eine Abendgoldgewinnung sich etabliert hat, ist zumindest grübelnswert.

Der Schlusssatz zu diesem Artikel lautet: Danke Herr Eichmann.
                                                                                                                                                      (Hans-Joachim Walter)



                                                                                          Bernd Eichmann
                                                                                    Hier geht es zum Autor

*** Herr Bernd Eichmann hat unsere Buchbesprechung als eine positive Resonazstimme aus dem Hospizverein Langenhagen auf seiner Homepage eingerückt.

Hospizverein Langenhagen e. V. - Walsroder Straße 65 - 30851 Langenhagen - 0511 9402122